Rückblick auf die bisherigen Jubiläen

 

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2014

Schule
Das Umfeld der Textilbranche, in welcher die modeco nach wie vor sehr präsent ist und als kompetente Ausbildungsstätte wahrgenommen wird, verändert sich rasant. Billigimporte von Kleidern aus Asien sowie die Veränderung der Ausbildungswünsche der Jugendlichen verlangen immer wieder neue Ideen. Design und Kreativität sind Begriffe der heutigen Lernenden. Social Media und IT verändern das Berufsbild. Und dennoch: Qualität und fundierte Kenntnisse der Technik in der Kleiderverarbeitung bieten Nischen an, welche die modeco auch in Zukunft ausfüllen kann und damit junge Leute für die schöne Welt der Bekleidungsgestaltung begeistern kann. 

Happy birthday and all the best for the future modeco!

 

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1989

Schule
Auch die weiteren 25 Jahre überstand die Schweizerische Frauenfachschule mit der erforderlichen Innovationskraft. 1987 erfolgte die Anerkennung der Frauenfachschule als nichtstaatliche Lehrwerkstätte durch die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich. Gestützt auf Beschlüsse des damaligen BIGA wurden zahlreiche  Neuerungen in die Ausbildung aufgenommen, unter anderem der Informatikunterricht für die damaligen Lehrtöchter. Das Angebot der Schule wurde sukzessive erweitert. 

Eine bedeutende Veränderung für die Frauenfachschule brachte die Schaffung eines neuen Ausbildungsgebietes.1989, 100 Jahre nach der Gründung, wurde der Lehrgang für Theaterschneiderinnen und Gewandmeisterinnen ins Aufgebot aufgenommen. Im Austausch mit der nationalen und internationalen Theaterwelt entstand die Möglichkeit sich in Richtung Theaterschneiderin oder Gewandmeisterin fortzubilden. Da diese sehr anspruchsvolle berufliche Weiterbildung nicht in Teilzeit angeboten werden konnte, musste das Angebot für Gewandmeisterinnen nach zwei erfolgreichen Lehrgängen reduziert werden und die Frauenfachschule konzentrierte sich fortan auf die berufliche Weiterbildung zur Theaterschneiderin.

1998 ergab sich eine einschneidende Diversifizierung für die Schule. Sie schloss mit der Volkswirtschaftsdirektion einen Vertrag betreffend die Erteilung des Berufsschulunterrichts für Dentalassistentinnen. Mit diesem Entscheid stieg die Zahl der Schülerinnen markant an. 1999 gab sich die Schule ein Leitbild und ab Januar 2000 den neuen Namen modeco. Das 10. Schuljahr wurde neu als modisch-gestalterisches Berufsvorbereitungsjahr geführt und die Leitungsstruktur der Schule veränderte sich. Zwei Abteilungsleitungen standen der Direktion zur Führung der modeco zur Seite. Das stete Wachstum der modeco brachte auch bauliche Veränderungen mit sich. Im Jahr 2006 erhielt die modeco einen Lift und einen neuen Mehrzweckraum im Dach. Immer wieder passte sie sich den Entwicklungen an. Auch die Abschlussfeiern wurden modern und zeitgemäss gestaltet, indem sie in externen Locations abgehalten und mit wunderschönen Modepräsentationen begleitet wurden. 

Veränderungen in den Finanzierungsgrundlagen seitens der Bildungsdirektion des Kantons Zürich verlangen Flexibilität und Ideenreichtum. Der einst stolze Bereich der Damenbekleidung und damit verbunden der Mut und die Weitsicht der Gründerväter der Schule gilt es nachhaltig zu  bewahren. 

Jetzt 2014 feiert die modeco ihr 125-Jahr-Jubiläum mit einem schönen Fest am 16. Mai 2014 in der Härterei und hat sich als Geburtstagsgeschenk einen neuen Webauftritt sowie eine Festschrift in elektronischer Form geschenkt. 

Historische Einbettung
- Fall Berliner Mauer, Beginn Zerfall Ostblock
- PUK wegen Fichenaffäre 
- 1. GSOA-Initiative. Knapp 2/3 der Abstimmenden dagegen.
- Drogenszene Platzspitz, Needlepark
- Musik: If you don’t know me by now (Simply Red)

 

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1964

Schule
Dass die Frauenfachschule auch ihren 75. Geburtstag als private Institution zelebrieren konnte, war nicht selbstverständlich. Im Zusammenhang mit der finanziell angespannten Situation nach dem II. Weltkrieg war nämlich eine Motion betreffend Übernahme der Schulträgerschaft durch den Kanton eingereicht worden. Erklärtes Ziel war die „vermehrte Einflussnahme des Kantons“. Die Aufsichtskommission verstand es, sich erfolgreich gegen dieses Begehren zu wehren.

Sie forderte „ein Weiterbestehen der Schule in der bisherigen Form, unter der Voraussetzung, dass die nötigen Mittel gewährt werden, um ihre Aufgabe zweckmässig erfüllen zu können“. Diese Voraussetzung wurde durch eine Erhöhung der städtischen Subventionen erfüllt. 1953 erstellte die Frauenfachschule auf dem oberen Teil ihres Areals am Kreuzplatz ein Schulhaus, das u.a. dem Arbeitslehrerinnen-Seminar vermietet wurde. Die Baukosten wurden ohne Beiträge der öffentlichen Hand, sondern durch Legate finanziert. Die Mieteinnahmen ermöglichten der Frauenfachschule, beziehungsweise der modeco, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten zu überleben und den Aufschwung der 1960er Jahre gut gerüstet anzugehen.

Historische Einbettung
- Bau Berliner Mauer, 1963
- Ermordung Kennedy, Ende Kanzlerschaft Adenauer, 1963
- Antibaby-Pille in Europa eingeführt, 1962
- ZH mit max. Einwohnerzahl: 440‘000 (1962)
- U-Bahn (Tiefbahn) vom Zürcher Stimmvolk abgelehnt.
- Expo Lausanne
- Konjunkturdämpfungsmassnahmen in der Schweiz
- Musik: A hard day’s night (Beatles)

 

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1939

Schule
Auch der II. Weltkrieg wirkte sich auf die Frauenfachschule aus. Für die Soldaten wurden 350 Wärterblusen, Krankenhemden und auch einige Finken hergestellt. Während einer Ferienwoche wurden 800 Militärschlafsäcke angefertigt. Dies war nur möglich, weil die Schule vom BIGA eine Sonderbewilligung zum Bezug von rationierten Stoffen erhalten hatte. Während den Sommerferien hatten die Schülerinnen Landdienst zu verrichten. Nach der Niederlage Frankreichs gegen das Deutsche Reich sammelten sie Schuhe und Kleider für die französischen Flüchtlinge, die sich in die Schweiz hatten retten können.

Wie schon im I. Weltkrieg wurden nun wieder Kurse für Handarbeiten und Haustextilien durchgeführt, die einen grossen Zulauf hatten. Um Heizöl zu sparen, konnten sie aber nur an zwei Abenden pro Woche durchgeführt werden. Zudem musste die Raumtemperatur empfindlich reduziert werden. Angesichts der Bedrohung der Schweiz führte die Frauenfachschule 1941 eine Exkursion aufs Rütli durch. „Auf der historischen Stätte erneuerten die Schülerinnen den Rütlischwur, brachten Darbietungen aus Wilhelm Tell und sangen unsere Vaterlandslieder.“ (Jahresbericht).

Historische Einbettung
- Beginn II. Weltkrieg mit über 50 Mio. Toten. Schweiz: Mobilmachung, Pressezensur, Rationierungen
- Anbauschlacht: Getreide auf dem Sechseläutenplatz
- Landi in Zürich, Hebung Nationalgefühl
- Erste Nylonstrümpfe in Europa, 1940
- Musik: Glenn Miller Orchestra

 

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1914

Schule
Der Ausbruch des I. Weltkriegs ging auch an der  Frauenfachschule nicht spurlos vorüber. Im Gegenteil. Der dringend notwendige Erweiterungsbau konnte einstweilen nicht erstellt werden. Das Baugespann musste im Sommer 1914 zum grossen Bedauern der Verantwortlichen, der Mitarbeitenden und der Lernenden demontiert werden. Erst 1916/17 konnte das Bauvorhaben doch noch ausgeführt werden, dies dank finanzieller Unterstützung der Stadt Zürich und des Kantons trotz der Verknappung von Baumaterialen für zivile Bauten.

Wegen der herrschenden Unsicherheit und den sinkenden Familieneinkommen gingen die Kundenaufträge markant zurück. Zur Auslastung der Schülerinnen  stellten diese nun auch Hemden und Leibbinden für das Rote Kreuz her. Zudem wurde eine Nähstube für arbeitslose Frauen eröffnet, in der Wäsche und Kleider ausgebessert, geändert und Strümpfe gestopft wurden. Diese Kurse erfreuten sich einer enormen Nachfrage.

Historische Einbettung
- Beginn I. Weltkrieg mit 10 Mio. Toten. 
- Schweiz: Mobilmachung, Brot und Mehl rationiert, Graben zwischen Deutsch und Welsch
- Lenin kommt nach Zürich, 1916
- Russische Revolution, 1917

 

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1889

Schule
„Durch die Gründung einer schweizerischen Fachschule für Damenschneiderei und Lingerie will unserer Frauenwelt auf einem ihr naheliegenden Gebiet, neue und lohnende Beschäftigungen verschafft und ihre Arbeitskraft gehoben werden. Wie die Ergebnisse der eidgenössischen Zollstatistik nachweisen, betrug die Einfuhr von Konfektionsartikeln aus dem Ausland im Jahre 1888 die enorme Summe von nahezu 20 Millionen Franken. Um diese Einnahmen des Auslandes nach und nach zumindest teilweise dem eigenen Lande zu erhalten, erscheint es vor allem notwendig, dass für diesen Industriezweig nötige Arbeitspersonal soweit auszubilden, dass sie in der Lage sind, den Produkten des Auslandes ebenbürtige einheimische Fabrikate entgegenzustellen.“ (1. Jahresbericht)

Die Schule wurde also als Kampfansage an die überbordenden Importe von Kleidern und zur Beschäftigung von Frauen gegründet. Eröffnet wurde sie ausgerechnet am 1. Mai, der gerade 1889 zum internationalen Feiertag der Arbeiterklasse erklärt wurde. Zunächst war die Frauenfachschule im Wollenhof (nomen est omen) an der Schipfe untergebracht; dort wo sich heute das Heimatwerk befindet. Gestartet wurde mit 18 Schülerinnen, die einen einjährigen Weiterbildungskurs absolvierten. 1890, ein Jahr später, wurde eine Lehrwerkstätte angegliedert. Besucht wurde die Schule vorwiegend von Schülerinnen aus der Unter- und der Mittelschicht. Manche von ihnen waren Halbwaise, was die soziale Aufgabe und Verantwortung der Frauenfachschule zeigt.

1898 erfolgte der Umzug an den Kreuzplatz. Auf dem Grundstück der Villa Viktoria – auch dies ein passender Name – wurde der erste Teil des heutigen Schulgebäudes für 216'000 Franken erstellt. Das Areal hatte zu bescheidenen 70 Franken pro Quadratmeter erworben werden können.

Historische Einbettung der Gründungszeit
- ZH hat knapp 28‘000 Einwohner (Vororte noch nicht eingemeindet)
- Gottfried Keller 1890 gestorben
- Bau Opernhaus (Stadttheater) 1891
- Polybahn 1889 eröffnet
- Auto mit Benzinmotor, 1887